Friedrich Wannieck (1838-1919)
1838
Friedrich Wannieck (1838-1919)
Friedrich Wannieck ist im Jahre 1838 als drittes von vier Kindern in der Familie des Tuchscherers Johann Wannieck geboren, der nach Brno aus Vranov nad Dyjí (Vrain an der Thaya) zugezogen war und sich in der Straße Kobližná 33/35 ansässig machte. Friedrich studierte an der Brünner Realschule, technischen Hochschule in Wien und Polytechnik in Karlsruhe.
Nach Studien arbeitete er zwei Jahre in Wien, in Graz und unternahm eine Studienreise nach England und Schottland.
Nach der Rückkehr nach Brünn im Alter von 27 Jahren fing er an, selber zu unternehmen – im Jahre 1865 gründete er eine kleine Fabrik im Garten seines Hauses in der Straße Trnitá. Anfangs wurden hier hauptsächlich Einrichtungen für Zuckerfabriken hergestellt, die Wannieck gemeinsam mit Julius von Robert, Verwalter der Zuckerfabrik in Židlochovice (Seelowitz) technisch verbesserte. Drei Jahre später (1868) heiratete Friedrich Wannieck seine Kusine – Victoria von Robert, mit der er einen Sohn und eine Tochter hatte.
In 25 Folgejahren widmete sich Friedrich Wannieck seiner Arbeit nicht nur auf dem Gebiet der Weiterentwicklung seiner Fabrik, sondern er schenkte seine Kräfte auch der öffentlichen Tätigkeit und nicht zuletzt der sich erweiterten Familie.
Im Jahre 1903 verlies Friedrich Wannieck mit der ganzen Familie auf Dauern Brünn. Er verweilte in München und Meran in Norditalien, nach Brünn kehrte er nur gelegentlich zurück.
Friedrich Wannieck ist in Meran am 21. 4. 1919 im Alter von unvollendeten 81 Jahren gestorben. Er ist im Waldfriedhof in München bestattet, in der Stadt, wo bis heute seine Direktnachkommen leben.
1865 - Von der Fabrik zur Wannieck-Galerie
Am 21. 3. 1865 bewilligten der Stadtrat und die Staatsverwaltung der Firma Wannieck und Phil. Jellinek in der Straße Trnitá Nr. 19 und 20 Bau der Maschinenwerkstätte, wo Gießerei, Kupolofen, Antriebsdampfmaschine, Kesselraum und Montagewerkstatt unter Ausschluss des Betriebes der Kesselherstellung untergebracht wurden.
Anfang 1867 wurde Lufttrichterserienproduktion und gleichzeitig ihre Ausfuhr ins Ausland aufgenommen. In demselben Jahr wurde die neue Diffusionsmethode in 27 Zuckerfabriken in Europa eingeführt.
Nach dem Ausscheiden von Philip Jellinek ist Friedrich Wannieck zum Alleineigentümer der gesamten Fabrik geworden. Unter seiner Leitung wurden das Fertigungsprogramm sowie auch das Fabrikareal selbst weiterhin erweitert. In der Firma wurden bis zu 250 Arbeiter angestellt. Es wurden ein Verwaltungsgebäude an der Straße Zvonařka, ein Lager und ein neuer 36m hoher Fabrikkamin – damals der höchste in Brünn - aufgebaut.
1890
Im Jahre 1890 wurde eine Kommanditgesellschaft mit der schweizerischen Firma Gebrüder Sulzer gegründet Die erworbenen Mittel wurden zum Bau einer Montagehalle, einer neuen Gießerei sowie der Schleppbahn eingesetzt.
Am 22. 4. 1890 wurde der Grundstein beider Hallen gelegt und im Juni 1891 der Bau beendet. 1896 kam es zur Erweiterung der Gießerei um einen Zubau von der Nordseite. Ab 1896 wurden die Dampfmaschinen des Typs Sulzer nur noch in Wannieck -Werken hergestellt. Sie wurden vorrangig in die Länder der Österreich -Ungarn Monarchie und nach Deutschland geliefert.
1897
Im Jahre 1897 übernahm die technische Führung der Firma Oberingenieur Kliment, der zweiundsechzigjährige Friedrich Wannieck wollte den wachsenden Betrieb weiterhin nicht leiten und nicht einmal sein Sohn Friedrich Oskar traute es sich zu führen.
Am 11. 1. 1902 wurde die Fusion der Wannieck-Fabrik mit der Ersten Brünner Maschinenbaufabrik (PBS) beendet. Verlust der Selbständigkeit wurde jedoch durch ein sehr zukunftsweisendes Fertigungsprogramm ersetzt. Es wurde hier Produktion der Dampfturbinen nach einer bereits gewonnenen Lizenz von der englischen Firma Parsons aufgenommen. In dem gesamten Zeitraum 1903 bis 1929 wurden in der Wannieck-Fabrik insgesamt 722 Turbinen produziert, mehr als die Hälfte davon wurde in eine Reihe von Ländern Osteuropas sowie auch Balkans exportiert.
1929
In den Jahren 1929–1930 wurde die Produktion von der Wannieck-Fabrik zum Areal der Ersten Brünner Maschinenbaufabrik (PBS) in der Straße Olomoucká übertragen, 1930 wurde das Areal der Wannieck-Fabrik gesperrt und im Jahre 1936 an die Tschechische Waffenfabrik Brno verkauft. 1936–1939 funktioniert sie als AG Waffenfabrik Brünn (Zbrojovka a.s. Brno) – Wannieck – Werk (Závod Vaňkovka).
1939
In den Jahren 1939–1941 wurde die Wannieck-Fabrik zum Bestandteil der Hermann – Göring – Werke (Wannieckwerk), 1942–1944 Wannieckwerk – Waffen Union Skoda Brűnn.
1989
Nach dem Krieg wurde die Wannieck-Fabrik als selbständiges Werk von verschiedenen Staatsbetrieben verwendet, der letzte davon war seit dem Jahre 1989 der Staatsbetrieb „Zetor“ (Traktorenfabrik). 1996–2000 befand sich die Wannieck-Fabrik im Eigentum des Fonds des Nationalvermögens.
1992
Am 13. 5. 1992 wurde die Wannieck-Fabrik in die Zentralliste der Kulturdenkmäler der Tschechischen Republik eingetragen, ihr Areal verfiel jedoch immer mehr. Die Wannieck-Stiftung und ihre Nachfolgerorganisation, die Bürgervereinigung „Vaňkovka“ strebten danach, die ehemalige Wannieck-Fabrik anhand von verschiedenen Kulturveranstaltungen und Workshops ersichtlich zu machen.
2000
Im Jahre 2000 ist es der Stadt Brno gelungen, das Wannieck-Areal in sein Eigentum zu erwerben und legte es in die Gesellschaft SÜDZENTRUM BRÜNN AG -JIŽNÍ CENTRUM BRNO, a.s. hinein. Zu der Zeit präsentierte die Gesellschaft ECE im Rathaus ihr Vorhaben, in den Bau eines Kauf- und Gesellschaftszentrums mit der Kapazität von 37 000 m2 der Geschäftsfläche 3 Milliarden CZK zu investieren.
2004
Im März 2004 fand die offizielle Grundsteinlegung zur Wannieck-Galerie statt, die daraufhin am 23. 3. 2005 feierlich eröffnet wurde.